Editorial Heft 2/2003


Liebe Leser
Hätte mir jemand 1991 – nach dem überraschenden Zusammenbruch des Warschauer Paktes und somit dem Ende des „Kalten Krieges“ vorhergesagt, dass ein Dutzend Jahre später das Reisen deutlich schwieriger würde – ich hätte, je nach Tageslaune – ihn ausgelacht oder zumindest ungläubig geschaut. Dennoch, das Unerwartete ist eingetreten.
SARS schlägt dummerweise (?) u.a. ausgerechnet in der chinesischen Provinz zu (Datong ist eines der Zentren). Wird diese Seuche auch im Vergleich zu anderen, viel folgenschwereren Epidemien unverhältnismäßig aufgebauscht, fördert sie doch nicht gerade die Reiselust. Die Bedrohung durch Malaria (Tropen), Aids (vor allem Afrika und Südostasien) und Hepatitis (generell in Entwicklungsländern) fordern ein Vielfaches an Menschenleben, auch unter den Touristen.
In den USA herrschen an den Strecken Verhältnisse wie vor 25 Jahren im Ostblock (wir berichteten in der letzten Ausgabe, s.a. Nachrichten "Letzte Meldung"). Ich wage heute schon die Vorhersage: Der erste ernstzunehmende Terroranschlag auf Eisenbahn-Infrastruktur in einem Industrieland und wir alle können „einpacken“!
Der mit sensibler texanischer Taktik geführte Krieg gegen den Terror hat, wie von allen Fachleuten vorhergesagt, diesen nicht besiegt. Im Gegenteil suchen sich die fehlgeleiteten Mordbuben zunehmend sog. „weiche Ziele“ in der touristischen Infrastruktur. Durch die Missachtung des geltenden Völkerrecht zugunsten des Rechts des Stärkeren wird diese Entwicklung weiter gefördert, zumal die in der Vergangenheit oft zitierten demokratischen Grundwerte nun bei der Trennung der Welt in Gut und Böse kaum noch nachvollziehbar sind.
Die Welt 2003 ist leider keine bessere geworden im Vergleich zu 1991.
Ich jedenfalls denke intensiv darüber nach, in diesem Jahr nicht „fern“ zu reisen. Was mir und Ihnen bleibt, komme da was wolle, sind die Reisen in Gedanken, Erinnerung und Phantasie. Dabei auf den nächsten 49 Seite noch viel Vergnügen, wünscht Ihnen

Karl-W. Koch


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