Nachrichten 1/2002


Amerika
Argentinien - Brasilien - El Salvador - USA
Asien
Japan - Pakistan
Europa / Europäische Union
Bulgarien - Frankreich - Großbritannien - Moldawien / Transnistrien - Polen - Portugal - Rußland
Das Letzte

Argentinien

Schlechte Nachrichten [1/2002]
Aufgrund der schweren Wirtschaftskrise kam es u.a. zu folgenden Änderungen im Schienenverkehr: Der Personenverkehr zwischen Salta und Socompa wurde vorläufig eingestellt. Die Verbindung Esquel – El Maitén fällt seit Dezember immer wieder aus, durchschnittlich soll noch einmal im Monat gefahren werden. Die Strecke Buenos Aires – Rosario von TBA wird nur noch Freitag ab Buenos Aires und Montag ab Rosario bedient. Die Güterbahn Ferroespreso Pampeano steht vor dem Ende und fährt meist nicht. (VoT)


Brasilien

Belo Horizonte – Ouro Prêto [1/2002]
Bezugnehmend auf die Meldung aus FE 71 (Inbetriebnahme eines Touristenzuges auf der rund 180 km lange Strecke zwischen Belo Horizonte und Ouro Prêto) erreicht uns folgenden Ergänzung:

Ein Besuch in Ouro Preto im November 2001 zeigte, dass noch viel Arbeit erforderlich ist, bis dieser Zug auf Fahrt gehen kann. Die Strecke war seit 1998 geschlossen. Es gibt nur noch ein Streckengleis, sämtliche Ausweichen sind, ebenso wie die Drehscheibe, abgebaut. Einschnitte nahe des Bahnhofs werden mit Müll verfüllt. Daher ist das gesteckte Ziel eines Touristenverkehrs wohl noch ein gutes Stück entfernt. (FE / Schoff)


El Salvador

Wiederaufbau nach Erdbeben [1/2002]
Nach dem schweren Erdbeben im vergangenen Jahr sollen außer 700 km Straßen auch etwa 300 km Schienenwege instand gesetzt werden. Die Finanzierung ist allerdings höchst unsicher.

Drei Eisenbahnprojekte werden als besonders wichtig genannt:
Reparatur der Hauptlinie San Salvador – San Miguel – Cútuco La Unión für den Güterverkehr (Containerverkehr); Instandsetzung der Hauptlinie San Salvador – Texis Junction – San Jerónimo (Grenze zu Guatemala), sofern die Linie in Guatemala wieder aufgebaut würde; Reparatur der Linie San Salvador – Sitio del Niño – Armenia und Instandsetzung der Lokomotiven und Personenwagen, um das Ganze an ein Privatunternehmen zu vermieten, damit dieses den Personenverkehr, mindestens 4 Zugpaare pro Tag, aufnehmen kann. (FCN)


USA

"Music under New York" [1/2002]
Während in anderen Städten der Welt U-Bahn-Musikanten vertrieben werden, bitten die New Yorker Verkehrsbetriebe Künstler zum Konzert in den Untergrund. Tim Higgingbotham von der Metropolitain Transportation Authority (MTA) sagt: "Wir laden jeden Musiker ein, auf unserem Gelände zu spielen." Für besonders profilierte Musikanten gibt es ein spezielles Förderungsprogramm (MUNY), aufgrunddessen ihnen die besten Plätze und Bahnhöfe der New Yorker U-Bahn, wie am Grand Central und unter dem Times Square, reserviert werden. Aber 90 % der Künstler sind einfache Straßenmusikanten, die lediglich das Privileg haben, nicht wegen Lärmbelästigung vertrieben zu werden. (SZ)


Japan

Kyushu Shinkansen wird Serie 800 [1/2002]
Der erste Abschnitt des Kyushu-Shinkansen zwischen Shin-Yatsushiro und Nishi-Kagoshima wird voraussichtlich Ende 2003 dem Verkehr übergeben. Dort kommen dann neu gebaute Triebwagen der Serie 800 zum Einsatz, die JR Kyushu gehören. Diese Bahngesellschaft besitzt bisher keine Shinkansen-Züge. Die Serie 800 ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h ausgelegt, wird jedoch nur 260 km/h fahren.

Zunächst werden fünf sechsteilige Züge beschafft. Erste Designentwürfe zeigen als Grundfarbe Weiß mit einem roten Streifen unterhalb der Fenster. (FE / Oliver Mayer)

Deutsche Schienen entdeckt [1/2002]
Beim Umbau des Bahnhofs Minami-Senju in Tokyo sind im Oktober 2001 Schienen aus den Jahren 1885 bis 1887 entdeckt worden, die aus Deutschland geliefert worden waren. Der Bahnhof Minami-Senju ist 1896 von der Privatbahn Nihon Tetsudo Kaisha eröffnet worden, die später verstaatlicht wurde. Vermutlich bei einem Umbau des Bahnhofs 1926 wurden für den Bau der Bahnsteigdächer alte Schienen verwendet. Diese Bahnsteigdächer sind jetzt abgerissen worden. Dabei wurden die Aufschriften "UNION D 1885 N.T.K." (ebenfalls mit den Jahresangaben 1886 und 1887) auf den Schienen entdeckt. Diese Schienen sind von der Dortmunder Union an die Nippon Tetsudo Kaisha (N.T.K.) geliefert worden. In Japan werden alte Schienen oftmals für Bahnsteigdächer, Zäune o.ä. weiterverwendet. (FE / Oliver Mayer)


Pakistan

Terror und Eisenbahnverkehr [1/2002]
Anfang November haben etwa 1000 Taliban-Anhänger im Bahnhof von Shadan Lund im Pundjab einen Zug an der Weiterfahrt gehindert. Als die Polizei die Protestierenden nicht mehr mit Tränengas im Zaum halten konnte, wurde mit scharfer Munition geschossen. Dabei kamen drei Personen am Bahnhof ums Leben.

Aufgrund der im Dezember sich ausweitenden kriegerischen Auseinandersetzungen in Kaschmir hat die pakistanische Regierung kurz vor Weihnachten die Einstellung des grenzüberschreitenden Bus- und Bahnverkehrs nach Indien ab 1. Januar 2002 verfügt. (FAZ / Münchner Merkur)


Europäische Union

TEN-Projekte [1/2002]
Der Spurweitenunterschied zwischen dem spanischen und dem sonstigen EU-Schienennetz behindert bekanntlich den Ausbau der europäischen Hochgeschwindigkeitsverbindungen. Deshalb zielt eines der Kernprojekte des EU-Programms "Transeuropäische Verkehrsnetze" auf die Angleichung des iberischen Eisenbahnsystems an die europäischen Normen. Auch um den Lkw-Güterverkehr durch die Pyrenäen (täglich rund 15.000 Lastwagen) nicht überproportional anwachsen zu lassen, sind nach einem weiteren TEN-Projekt neue Güterschienenverbindungen nötig. (Verkehrs-Rundschau)


Bulgarien

Neues Eisenbahngesetz [1/2002]
Am 1.1.2002 ist das neue Gesetz über den Eisenbahntransport in Kraft getreten. Es regelt den Bau, die Unterhaltung, Entwicklung und den Betrieb der Eisenbahn-Infrastruktur, außerdem u.a. die Vorschriften für den Zugverkehr. Die Bahninfrastruktur ist staatliches Eigentum und wird von der Nationalen Eisenbahngesellschaft oder von Konzessionsnehmern verwaltet. Die Spurbreite beträgt dem Gesetz zufolge grundsätzlich 1435 mm. Die Finanzierung der Eisenbahn erfolgt in erster Linie durch den staatlichen Haushalt sowie durch Gebühren. Ausländische Transportunternehmen können auf Grund internationaler Vereinbarungen die bulgarische Infrastruktur nutzen. (Osteuropa-Recht)


Frankreich

TGV Med kommt gut an [1/2002]
Der seit vergangenem Sommer von Paris nach Marseille verkehrende TGV Mediterranée hat nach anfänglichen Schwierigkeiten einen hohen Grad an Pünktlichkeit und Publikumszuspruch erreicht. Nahezu 90 % der Züge halten die vorgegebenen Uhrzeiten ein, und drei Monate nach dem Start wurden bereits rund fünf Millionen Fahrgäste befördert. Allein 1,2 Mio. Fahrgäste haben den Bahnhof Marseille-Saint-Charles benutzt, 600.000 sind in Avignon zu- oder ausgestiegen. Nach Eröffnung des TGV Mediterranée mußte Air France eine Reihe von Flügen zwischen Paris und Marseille streichen. (Rail Passion)


Großbritannien

London Underground [1/2002]
Die britische Hauptstadt hat – nach New York – mit mehr als 400 km Streckennetz, 12 Linien und 275 Stationen die zweitgrößte U-Bahn der Welt. Seit 1863 in Betrieb, befördert sie derzeit täglich drei Millionen Fahrgäste (Greater London zählt etwa sieben Millionen Einwohner). Allerdings ist die von der öffentlichen Hand betriebene "London Underground" stark sanierungsbedürftig. Ob die Sanierung unter staatlicher, privater oder teilweise privater Regie betrieben werden soll, ist umstritten.

Der britische Transportminister lehnte im Dezember noch eine Teilprivatisierung ab, da die Angebote der privaten Betreiberkonsortien den Steuerzahlern nicht zugemutet werden könnten. Eine bekannte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft soll 2002 Untersuchungen über die Sanierungsmöglichkeiten vorlegen. Jedenfalls in staatlicher Hand verbleiben soll der Betrieb der Züge sowie das gesamte Vermögen von London Underground. Londons Bürgermeister Livingstone war stets gegen eine Privatisierung der U-Bahn gewesen, nicht zuletzt nach dem Fehlschlag bei Railtrack. (FAZ)


Moldawien / Transnistrien

Bahntransit blockiert [1/2002]
Die Eisenbahn wird immer wieder als politisches Druckmittel benutzt, sowohl bei Streiks als auch zu unbefristeten Verkehrsunterbrechungen. So hat gegen Jahresende 2001 die Regierung von Transnistrien kurzerhand den Eisenbahntransitverkehr zum mißliebigen Nachbarn Moldawien hin unterbrochen.

Der Grund war, dass Moldova nach seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO im Spätsommer der international nicht anerkannten "Transnistirischen Moldaurepublik" die Zollstempel entzog. Damit wurde dem am Ostufer des Dnjestr gelegenen Land die Möglichkeiten für die Warenein- und ausfuhr genommen. Bereits im vergangenen Herbst stauten sich im Bahnhof von Bendery Hunderte von Waggons, die z.T. mit Treibstoff beladen waren und Transnistrien nicht mehr verlassen konnten. (FAZ)


Polen

Neue PKP Cargo [1/2002]
Im Oktober vergangenen Jahres wurde der gesamte Güterschienentransport aus der Polnischen Staatsbahn PKP SA ausgegliedert und einem neuen Betreiber, der PKP Cargo GmbH unterstellt. Alleiniger Gesellschafter bleibt die Staatsbahn solange, bis sich private Kapitalgeber engagieren. Die neue Gütertransport-Gesellschaft ist zwar schuldenfrei gegründet worden. Jedoch ist das übernommene rollende Material von mehr als 90.000 Güterwagen überwiegend schrottreif oder zumindest stark reparaturbedürftig. Auch das Personal von rund 63.000 Mitarbeitern muß in den nächsten drei Jahren um fast ein Viertel reduziert werden. Gleichzeitig wird Schätzungen zufolge die Tonnage der beförderten Güter um rund 20 % auf etwa 150.000 t zurückgehen.

Die Deutsche und die Polnische Bahn wollen künftig eine gemeinsame Bahnspedition betreiben, um kürzere Fahrzeiten zu erreichen. Insbesondere soll eine schnellere Zollabfertigung erfolgen. Für die DB ist Polen – neben Italien, Österreich und Tschechien – einer der wichtigsten Partner im Güterschienentransport. (Verkehrs-Rundschau)


Portugal

Dampf im Douro-Tal [1/2002]
Durch das Tal des Douro, ein bekanntes Weinanbaugebiet, aus dem auch die Trauben für den Portwein kommen, fährt eine historische Dampfeisenbahn. Die teils hundert Jahre alten Waggons werden von einer Henschel-Lokomotive aus dem Jahr 1925 gezogen. Der Zug verkehrt jetzt jeweils samstags und sonntags zwischen Regua und Tua; Fahrtdauer etwa eine Stunde, mit kurzem Aufenthalt im schön gekachelten Bahnhof von Pinhao. (FAZ)


Russland

Stockende Eisenbahnreform [1/2002]
Die russische Eisenbahnreform kommt offenbar kaum voran. Das für 2002 vorgestellte Investitionsprogramm wurde von Premierminister Kassjanow abgelehnt. Er fand das Finanzierungsmodell für das knapp sechs Milliarden Euro teure Programm unrealistisch. Es sollten u.a. auch die Bahntarife um 66 Prozent erhöht werden. (Verkehrs-Rundschau)

Längster Bahntunnel der GUS [1/2002]
Am 21. Dezember 2001 ist in Sibirien der , längste Eisenbahntunnel der GUS eröffnet worden. Er ist 15,3 km lang und führt unter den Mujski-Bergen nördlich des Baikal-Sees hindurch. Seine Bauzeit betrug 24 Jahre. Da der Tunnel sich in einer stark erdbebengefährdeten Gegend befindet, wo im Durchschnitt zwei Erdstöße täglich registriert werden, mußte die Röhre mit einer doppelten Außenwand gebaut werden. (dpa / FAZ)

Ökotour zum Baikalsee [1/2002]
Anlässlich des internationalen "Jahres des Ökotourismus" wollen die Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) und der Reiseveranstalter Baikal-Express Sibirienreisen den Ökotourismus am Baikalsee fördern. Die Studienreisen zum größten Süßwassersee der Welt werden dabei nicht mit Flugzeugen, sondern mit der Transsibirischen Eisenbahn unternommen. Der Baikalsee gilt als wichtiges Trinkwasser-Reservoir der Region. (SZ)


Das Letzte

Verbesserung der Luftqualität [1/2002]
Um die Luftqualität zu verbessern (!) sind Zugschaffner in Zügen der chinesischen Staatsbahn (zunächst auf der Vorzeige-Strecke Peking – Shanghai) seit Anfang des Jahres angehalten, beim durchaus üblichen "Schuhe-Ausziehen" einzuschreiten. Die Passagiere sollen dezent auf Fuss-Waschmöglichkeiten in einem "Sonderabteil" (!!) hingewiesen werden. Das Waschwasser werde anschließend in Plastikgefäßen versiegelt (!!!). Alternativ könnten auch die Schuhe anbehalten werden.

Wer schon einmal das Vergnügen hatte in Zügen der chinesischen Staatsbahn (vor allem im berüchtigten Hard-Sleeper) zu reisen, der bezweifelt, dass eine Ausweitung dieser Anweisung auf alle Züge auch nur den Hauch einer Chance hat.

  1. ist die Luftqualität eines der untergeordneten Probleme – mindestens ein Fenster ist eh immer auf oder irgendwas ist undicht;
  2. kommen üblicherweise die üblen Gerüche in 99 % der Fälle vom nach "Kartoffelkraut" oder "Matratze" riechenden Knaster, der von den Reisenden überall, selbstverständlich auch im Nichtraucherteil, gequalmt wird;
  3. ist der Füllungsgrad der normalen Züge häufig so stark jenseits der 100 %, dass freie "Sonderabteile" mit Sicherheit ab dem 2. Unterwegshalt belegt wären;
    und schließlich
  4. Die Sauberkeit in den Zügen wird zwar vom Personal dankenswerterweise ca. alle 2 – 3 Stunden mittels Fegen wieder auf ein erträgliches Maß gebracht. (Dies ist auch dringendst erforderlich, da der universelle "Abfalleimer" aller Reisende der Fußboden ist.) Das gängige Reinigungsverfahren ist allerdings: Fegen bis an die Waggon-Tür und dann (auch bei Tempo 100) Tür auf und raus damit. Der durch Fahrtwind erzielte Unterdruck tut ein Übriges. Dass diesen Weg nicht auch das Waschwasser nähme, wenn denn der Rest der Meldung wirklich umgesetzt würde, vermag der Autor dieser Zeilen beim besten Willen nicht zu glauben!

(Frankfurter Rundschau / FE / KWK)


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