Schlechte Nachrichten [1/2002]
Aufgrund der
schweren Wirtschaftskrise kam es u.a. zu folgenden Änderungen im
Schienenverkehr: Der Personenverkehr zwischen Salta und Socompa wurde vorläufig
eingestellt. Die Verbindung Esquel El Maitén fällt seit
Dezember immer wieder aus, durchschnittlich soll noch einmal im Monat gefahren
werden. Die Strecke Buenos Aires Rosario von TBA wird nur noch Freitag ab
Buenos Aires und Montag ab Rosario bedient. Die Güterbahn Ferroespreso
Pampeano steht vor dem Ende und fährt meist nicht. (VoT)
Belo Horizonte Ouro Prêto [1/2002]
Bezugnehmend
auf die Meldung aus FE 71 (Inbetriebnahme eines
Touristenzuges auf der rund 180 km lange Strecke zwischen Belo Horizonte und
Ouro Prêto) erreicht uns folgenden Ergänzung:
Ein Besuch in Ouro Preto im November 2001 zeigte, dass noch viel Arbeit erforderlich ist, bis dieser Zug auf Fahrt gehen kann. Die Strecke war seit 1998 geschlossen. Es gibt nur noch ein Streckengleis, sämtliche Ausweichen sind, ebenso wie die Drehscheibe, abgebaut. Einschnitte nahe des Bahnhofs werden mit Müll verfüllt. Daher ist das gesteckte Ziel eines Touristenverkehrs wohl noch ein gutes Stück entfernt. (FE / Schoff)
Wiederaufbau nach Erdbeben [1/2002]
Nach dem
schweren Erdbeben im vergangenen Jahr sollen außer 700 km Straßen
auch etwa 300 km Schienenwege instand gesetzt werden. Die Finanzierung ist
allerdings höchst unsicher.
Drei Eisenbahnprojekte werden als besonders wichtig genannt:
Reparatur
der Hauptlinie San Salvador San Miguel Cútuco La Unión
für den Güterverkehr (Containerverkehr); Instandsetzung der Hauptlinie
San Salvador Texis Junction San Jerónimo (Grenze zu
Guatemala), sofern die Linie in Guatemala wieder aufgebaut würde; Reparatur
der Linie San Salvador Sitio del Niño Armenia und
Instandsetzung der Lokomotiven und Personenwagen, um das Ganze an ein
Privatunternehmen zu vermieten, damit dieses den Personenverkehr, mindestens 4
Zugpaare pro Tag, aufnehmen kann. (FCN)
"Music under New York" [1/2002]
Während
in anderen Städten der Welt U-Bahn-Musikanten vertrieben werden, bitten die
New Yorker Verkehrsbetriebe Künstler zum Konzert in den Untergrund. Tim
Higgingbotham von der Metropolitain Transportation Authority (MTA) sagt: "Wir
laden jeden Musiker ein, auf unserem Gelände zu spielen." Für
besonders profilierte Musikanten gibt es ein spezielles Förderungsprogramm
(MUNY), aufgrunddessen ihnen die besten Plätze und Bahnhöfe der New
Yorker U-Bahn, wie am Grand Central und unter dem Times Square, reserviert
werden. Aber 90 % der Künstler sind einfache Straßenmusikanten, die
lediglich das Privileg haben, nicht wegen Lärmbelästigung vertrieben
zu werden. (SZ)
Kyushu Shinkansen wird Serie 800 [1/2002]
Der
erste Abschnitt des Kyushu-Shinkansen zwischen Shin-Yatsushiro und
Nishi-Kagoshima wird voraussichtlich Ende 2003 dem Verkehr übergeben. Dort
kommen dann neu gebaute Triebwagen der Serie 800 zum Einsatz, die JR Kyushu gehören.
Diese Bahngesellschaft besitzt bisher keine Shinkansen-Züge. Die Serie 800
ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h ausgelegt, wird jedoch
nur 260 km/h fahren.
Zunächst werden fünf sechsteilige Züge beschafft. Erste Designentwürfe zeigen als Grundfarbe Weiß mit einem roten Streifen unterhalb der Fenster. (FE / Oliver Mayer)
Deutsche Schienen entdeckt [1/2002]
Beim Umbau
des Bahnhofs Minami-Senju in Tokyo sind im Oktober 2001 Schienen aus den Jahren
1885 bis 1887 entdeckt worden, die aus Deutschland geliefert worden waren. Der
Bahnhof Minami-Senju ist 1896 von der Privatbahn Nihon Tetsudo Kaisha eröffnet
worden, die später verstaatlicht wurde. Vermutlich bei einem Umbau des
Bahnhofs 1926 wurden für den Bau der Bahnsteigdächer alte Schienen
verwendet. Diese Bahnsteigdächer sind jetzt abgerissen worden. Dabei wurden
die Aufschriften "UNION D 1885 N.T.K." (ebenfalls mit den
Jahresangaben 1886 und 1887) auf den Schienen entdeckt. Diese Schienen sind von
der Dortmunder Union an die Nippon Tetsudo Kaisha (N.T.K.) geliefert worden. In
Japan werden alte Schienen oftmals für Bahnsteigdächer, Zäune o.ä.
weiterverwendet. (FE / Oliver Mayer)
Terror und Eisenbahnverkehr [1/2002]
Anfang
November haben etwa 1000 Taliban-Anhänger im Bahnhof von Shadan Lund im
Pundjab einen Zug an der Weiterfahrt gehindert. Als die Polizei die
Protestierenden nicht mehr mit Tränengas im Zaum halten konnte, wurde mit
scharfer Munition geschossen. Dabei kamen drei Personen am Bahnhof ums Leben.
Aufgrund der im Dezember sich ausweitenden kriegerischen Auseinandersetzungen in Kaschmir hat die pakistanische Regierung kurz vor Weihnachten die Einstellung des grenzüberschreitenden Bus- und Bahnverkehrs nach Indien ab 1. Januar 2002 verfügt. (FAZ / Münchner Merkur)
TEN-Projekte [1/2002]
Der Spurweitenunterschied
zwischen dem spanischen und dem sonstigen EU-Schienennetz behindert bekanntlich
den Ausbau der europäischen Hochgeschwindigkeitsverbindungen. Deshalb zielt
eines der Kernprojekte des EU-Programms "Transeuropäische
Verkehrsnetze" auf die Angleichung des iberischen Eisenbahnsystems an die
europäischen Normen. Auch um den Lkw-Güterverkehr durch die Pyrenäen
(täglich rund 15.000 Lastwagen) nicht überproportional anwachsen zu
lassen, sind nach einem weiteren TEN-Projekt neue Güterschienenverbindungen
nötig. (Verkehrs-Rundschau)
Neues Eisenbahngesetz [1/2002]
Am 1.1.2002 ist
das neue Gesetz über den Eisenbahntransport in Kraft getreten. Es regelt
den Bau, die Unterhaltung, Entwicklung und den Betrieb der
Eisenbahn-Infrastruktur, außerdem u.a. die Vorschriften für den
Zugverkehr. Die Bahninfrastruktur ist staatliches Eigentum und wird von der
Nationalen Eisenbahngesellschaft oder von Konzessionsnehmern verwaltet. Die
Spurbreite beträgt dem Gesetz zufolge grundsätzlich 1435 mm. Die
Finanzierung der Eisenbahn erfolgt in erster Linie durch den staatlichen
Haushalt sowie durch Gebühren. Ausländische Transportunternehmen können
auf Grund internationaler Vereinbarungen die bulgarische Infrastruktur nutzen.
(Osteuropa-Recht)
TGV Med kommt gut an [1/2002]
Der seit
vergangenem Sommer von Paris nach Marseille verkehrende TGV Mediterranée
hat nach anfänglichen Schwierigkeiten einen hohen Grad an Pünktlichkeit
und Publikumszuspruch erreicht. Nahezu 90 % der Züge halten die
vorgegebenen Uhrzeiten ein, und drei Monate nach dem Start wurden bereits rund fünf
Millionen Fahrgäste befördert. Allein 1,2 Mio. Fahrgäste haben
den Bahnhof Marseille-Saint-Charles benutzt, 600.000 sind in Avignon zu- oder
ausgestiegen. Nach Eröffnung des TGV Mediterranée mußte Air
France eine Reihe von Flügen zwischen Paris und Marseille streichen. (Rail
Passion)
London Underground [1/2002]
Die britische
Hauptstadt hat nach New York mit mehr als 400 km Streckennetz, 12
Linien und 275 Stationen die zweitgrößte U-Bahn der Welt. Seit 1863
in Betrieb, befördert sie derzeit täglich drei Millionen Fahrgäste
(Greater London zählt etwa sieben Millionen Einwohner). Allerdings ist die
von der öffentlichen Hand betriebene "London Underground" stark
sanierungsbedürftig. Ob die Sanierung unter staatlicher, privater oder
teilweise privater Regie betrieben werden soll, ist umstritten.
Der britische Transportminister lehnte im Dezember noch eine Teilprivatisierung ab, da die Angebote der privaten Betreiberkonsortien den Steuerzahlern nicht zugemutet werden könnten. Eine bekannte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft soll 2002 Untersuchungen über die Sanierungsmöglichkeiten vorlegen. Jedenfalls in staatlicher Hand verbleiben soll der Betrieb der Züge sowie das gesamte Vermögen von London Underground. Londons Bürgermeister Livingstone war stets gegen eine Privatisierung der U-Bahn gewesen, nicht zuletzt nach dem Fehlschlag bei Railtrack. (FAZ)
Bahntransit blockiert [1/2002]
Die Eisenbahn
wird immer wieder als politisches Druckmittel benutzt, sowohl bei Streiks als
auch zu unbefristeten Verkehrsunterbrechungen. So hat gegen Jahresende 2001 die
Regierung von Transnistrien kurzerhand den Eisenbahntransitverkehr zum mißliebigen
Nachbarn Moldawien hin unterbrochen.
Der Grund war, dass Moldova nach seinem Beitritt zur Welthandelsorganisation WTO im Spätsommer der international nicht anerkannten "Transnistirischen Moldaurepublik" die Zollstempel entzog. Damit wurde dem am Ostufer des Dnjestr gelegenen Land die Möglichkeiten für die Warenein- und ausfuhr genommen. Bereits im vergangenen Herbst stauten sich im Bahnhof von Bendery Hunderte von Waggons, die z.T. mit Treibstoff beladen waren und Transnistrien nicht mehr verlassen konnten. (FAZ)
Neue PKP Cargo [1/2002]
Im Oktober vergangenen
Jahres wurde der gesamte Güterschienentransport aus der Polnischen
Staatsbahn PKP SA ausgegliedert und einem neuen Betreiber, der PKP Cargo GmbH
unterstellt. Alleiniger Gesellschafter bleibt die Staatsbahn solange, bis sich
private Kapitalgeber engagieren. Die neue Gütertransport-Gesellschaft ist
zwar schuldenfrei gegründet worden. Jedoch ist das übernommene
rollende Material von mehr als 90.000 Güterwagen überwiegend
schrottreif oder zumindest stark reparaturbedürftig. Auch das Personal von
rund 63.000 Mitarbeitern muß in den nächsten drei Jahren um fast ein
Viertel reduziert werden. Gleichzeitig wird Schätzungen zufolge die Tonnage
der beförderten Güter um rund 20 % auf etwa 150.000 t zurückgehen.
Die Deutsche und die Polnische Bahn wollen künftig eine gemeinsame Bahnspedition betreiben, um kürzere Fahrzeiten zu erreichen. Insbesondere soll eine schnellere Zollabfertigung erfolgen. Für die DB ist Polen neben Italien, Österreich und Tschechien einer der wichtigsten Partner im Güterschienentransport. (Verkehrs-Rundschau)
Dampf im Douro-Tal [1/2002]
Durch das Tal des
Douro, ein bekanntes Weinanbaugebiet, aus dem auch die Trauben für den
Portwein kommen, fährt eine historische Dampfeisenbahn. Die teils hundert
Jahre alten Waggons werden von einer Henschel-Lokomotive aus dem Jahr 1925
gezogen. Der Zug verkehrt jetzt jeweils samstags und sonntags zwischen Regua und
Tua; Fahrtdauer etwa eine Stunde, mit kurzem Aufenthalt im schön
gekachelten Bahnhof von Pinhao. (FAZ)
Stockende Eisenbahnreform [1/2002]
Die russische
Eisenbahnreform kommt offenbar kaum voran. Das für 2002 vorgestellte
Investitionsprogramm wurde von Premierminister Kassjanow abgelehnt. Er fand das
Finanzierungsmodell für das knapp sechs Milliarden Euro teure Programm
unrealistisch. Es sollten u.a. auch die Bahntarife um 66 Prozent erhöht
werden. (Verkehrs-Rundschau)
Längster Bahntunnel der GUS [1/2002]
Am 21.
Dezember 2001 ist in Sibirien der , längste Eisenbahntunnel der GUS eröffnet
worden. Er ist 15,3 km lang und führt unter den Mujski-Bergen nördlich
des Baikal-Sees hindurch. Seine Bauzeit betrug 24 Jahre. Da der Tunnel sich in
einer stark erdbebengefährdeten Gegend befindet, wo im Durchschnitt zwei
Erdstöße täglich registriert werden, mußte die Röhre
mit einer doppelten Außenwand gebaut werden. (dpa /
FAZ)
Ökotour zum Baikalsee [1/2002]
Anlässlich
des internationalen "Jahres des Ökotourismus" wollen die
Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) und der Reiseveranstalter Baikal-Express
Sibirienreisen den Ökotourismus am Baikalsee fördern. Die
Studienreisen zum größten Süßwassersee der Welt werden
dabei nicht mit Flugzeugen, sondern mit der Transsibirischen Eisenbahn
unternommen. Der Baikalsee gilt als wichtiges Trinkwasser-Reservoir der Region.
(SZ)
Verbesserung der Luftqualität [1/2002]
Um
die Luftqualität zu verbessern (!) sind Zugschaffner in Zügen der
chinesischen Staatsbahn (zunächst auf der Vorzeige-Strecke Peking
Shanghai) seit Anfang des Jahres angehalten, beim durchaus üblichen "Schuhe-Ausziehen"
einzuschreiten. Die Passagiere sollen dezent auf Fuss-Waschmöglichkeiten in
einem "Sonderabteil" (!!) hingewiesen werden. Das Waschwasser werde
anschließend in Plastikgefäßen versiegelt (!!!). Alternativ könnten
auch die Schuhe anbehalten werden.
Wer schon einmal das Vergnügen hatte in Zügen der chinesischen Staatsbahn (vor allem im berüchtigten Hard-Sleeper) zu reisen, der bezweifelt, dass eine Ausweitung dieser Anweisung auf alle Züge auch nur den Hauch einer Chance hat.
(Frankfurter Rundschau / FE / KWK)
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