Estland, Heft II/2012

Umsonst in Tallinn

Die Bürger der estnischen Hauptstadt Tallinn haben sich in einer Volksumfrage für einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr entschieden. 75,5 Prozent der Wahlberechtigten befürworteten den Vorschlag, ab dem 1. Januar 2013 die Gebühren für die Nutzung abzuschaffen. „Dank des kostenlosen ÖPNV wird die Nutzung der Privatwagen eingeschränkt. Zudem wird die Mobilität von Familien mit geringem Einkommen erhöht und der Umweltschutz gefördert“, so Tallinns Bürgermeister Edgar Savisaar. Nach dem Gesetzentwurf müssten die Nicht-Einwohner (Touristen und Besucher aus anderen estnischen Städten) weiterhin die Beförderungsgebühr entrichten. Die Hauptstadt Estlands mit ihren 400.000 Einwohnern könnte damit die erste Großstadt Europas mit kostenlosem ÖPNV werden.

Die Opposition kritisiert die 260.000 Euro teure Volksumfrage, deren Ergebnis zu erahnen gewesen sei: Die Abstimmung habe lediglich Wahlkampfzwecken gedient. Der kostenlose Nahverkehr würde unter der verstärkten Nachfrage zusammenbrechen, prophezeien die Gegner der Idee. Eine Monatskarte kostet in Tallinn derzeit 18,50 Euro. Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf decken etwa 40 % der städtischen Ausgaben für den Nahverkehr.

(NaNa)

 

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