Das Letzte, Heft IV/2013

„Auch eine Dampflok darf sterben“

Zum 2. Mal auf der Balkantour der IGE soll die serbische ex-52er vor den Zug. Das erste Mal scheiterte kläglich, sie war schlicht nicht einsatzfähig. Schmutzig grau, mehr nach Schrott als nach Dampflok aussehend, stand sie bei unserer Abfahrt (mit Diesel) traurig auf dem Nebengleis. Dieses Mal war der Einsatz ganz ernsthaft und fest eingeplant. Und in der Tat, das steht sie nun in Dimitrovgrad, schick glänzend, offenbar frisch eingeölt. Aber … was pfeift und klappert da? Es ist doch eine deutsche (!) Kriegslok, keine „Klapperschlange“ (US-amerikanische Kriegslok). Bremsbacken hängen schief, es wird spekuliert, ob diese in der ersten oder erst in der zweiten Kurve ins Gestänge fielen. Aber fast planmäßig wird sie vor den Zug geschoben. Erste böse Kommentare kommen auf: „Mit eigener Kraft kann sie wohl nicht fahren …“ Und in der Tat, der Angstdiesel, der sie vor den Zug geschoben hat, setzt sich an das Zug-ende. Dann die Lautsprecherdurchsage des IGE-Reiseleiters Götz, auf die gerade noch Wetten abgeschlossen worden waren, WANN sie denn käme: „Da unsere Dampflok nur mit 25 km/h fahren darf (‚geschoben werden darf‘ wäre wohl treffender …), haben wir uns schweren Herzens entschlossen, ganz auf sie zu verzichten. Wir wollen ja schließlich heute noch ankommen.“ Eine SWR-Mitarbeiterin kommentiert treffend: „Auch eine Dampflok hat das Recht zu sterben, sagte einmal der Chef des deutschen Eisenbahnmuseums in Berlin, Alfred Gottwaldt“. Ein Erlebnis bleibt den Reisenden: Sie haben mit größter Wahrscheinlichkeit gerade das endgültige Ende des normalspurigen Dampflokeinsatzes in Serbien erlebt, für die Statistiker: 12.10.2103, 10:00 Uhr! Während die stolzen bulgarischen Dampfloks den Sonderzug mit einem wilden Pfeifkonzert verabschieden, reicht es bei der serbischen Lok nicht einmal mehr dazu, der passende Kommentar von Herrn Götz: „Die pfeift ja nicht einmal mehr aus dem letzten Loch!“ (FE / Karl-Wilhelm Koch)

 

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