Licht und Schatten einer Reise durch Südafrikas Cape-Region

Die große Zeit der Dampftraktion ist auch hier unwiederbringlich vorüber. Dank privater Initiativen werden dennoch nach wie vor Dampflokomotiven betriebsfähig erhalten, historische Streckenabschnitte saniert und Sonderzüge für Eisenbahnfans und Touristen angeboten. Als gutes Beispiel gilt die „Ceres Rail Company“ (CRC) mit Sitz in Ceres, ca. 150 km nördlich von Cape Town. Derick du Toit fasste 2002 den Entschluss, die zwischen 1910 und 1912 gebaute Ceres Railway zu reaktivieren. Mit Unterstützung durch Simon Breckett und Transnet konnte nach 100 Jahren die Linie im Mai 2012 wieder eröffnet werden. CRC befördert seitdem von der „Demeter Station“ in Ceres Touristen mit einem Dampfzug in die Wawerley Hills zum Michell´s Pass sowie Güter, vornehmlich im Ceres Valley geerntete Früchte und Wein, per Dieseltraktion nach Wolseley.

2016 eröffnete CRC in Cape Town auf den Gleisen der einstigen Hafenbahn ein weiteres Domizil, von dem aus Sonderfahrten zum Railway Market in Elgin stattfinden. Leider können wir hier nur über eine nicht „vollendete“ Fahrt berichten:

Am frühen Morgen des 13.04.2019 hatte der nächtliche Regen aufgehört. Wir wurden beim Einchecken am Zug nach Elgin freundlich empfangen. Die vorgespannte 19D dampfte munter vor sich hin, doch fuhr der Zug nicht wie geplant um 8.00 Uhr ab. Der Lokführer der begleitenden Diesellok war nicht erschienen; also noch Zeit, sich umzusehen.

Schließlich kam Ersatz für den fehlenden Lokführer, so dass gegen 9.30 Uhr endlich der Pfiff zur Abfahrt ertönen konnte. Wir hielten fast an jeder Metrostation, rechneten das aber zunächst unserer Verspätung zu. In Bellville war der Bahnsteig voller Menschen, hier ging nichts mehr. Der Zugbegleiter erklärte, dass wir zurückfahren müssen. Es gäbe anlässlich der bevorstehenden Wahlen in Südafrika Demonstrationen, Proteste und Unruhen. Bahngleise seien demontiert und Schwellen entfernt worden; eine Weiterfahrt wäre nicht möglich. Bereits zwei Tage zuvor mussten wir mit dem Pkw einen großen Umweg nehmen, um unsere Unterkunft in Sir Lowrys Pass zu erreichen. Die Polizei hatte in Sommerset West auf Grund brennender Reifen und Holzstapel, fehlender Gulli-Deckel und gefällter Bäume zahlreiche Straßen gesperrt. 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid leben erhebliche Teile der indigenen Bevölkerung nach wie vor in Blechhütten ohne Strom und Wasser. Fehlende Jobs und tiefe Armut lassen für viele ihre Situation ausweglos erscheinen.

Der legendäre „Red Devil“ ist zurück

Zur großen Überraschung stand in Cape Town auf dem Nebengleis der legendäre „Red Devil“. Die Maschine wurde 1981 mit einem gaserzeugenden Verbrennungssystem (GPCS), verbesserten Ventilen, einer doppelten Lempor-Saugzug-Anlage (zwei Schornsteine), einem vergrößerten Überhitzer und längeren Windleitblechen versehen, nachdem der englische Ingenieur David Wardale 1979 die Genehmigung bekommen hatte, die von Henschel 1953 gebaute 2’D2′-Dampflok, Class 25NC 3450 der SAR, umzurüsten. Trotz beachtlicher Einsparungen im Betrieb kam es nur noch zu einem weiteren derartigen Umbau. Am 23.09.2003 hatte der „Red Devil“ seine vorerst letzte Fahrt. Die Direktion der South African Railway (SAR) setzte bereits strikt auf die Ausmusterung der Dampflokomotiven.

Im November 2015 wurde der abgestellte „Red Devil“ in die Bahnwerkstätten Worcester zur Aufarbeitung für die CRC überführt. Am 13. Juli 2018 traf die Lok auf ihrer 2. Jungfernfahrt nach 15 Jahren Ruhepause aus eigener Kraft wieder in Cape Town ein. Seit der Instandsetzung steht der „Red Devil“ für Mehrtagesfahrten nach Robertson oder Bredasdorp zur Verfügung, die aus besonderen Anlässen, wie beispielsweise zum Wacky Wine Festival, durchgeführt werden.

(FE/Dieter Frisch)


Kommentar:

Schade, nächste Chance verpasst …
Die Südafrikanischen Eisenbahnen „verstehen“ es, internationale Gäste abzuschrecken: Unpünktlichkeit, Streichung von Verbindungen, Ausdünnung von Fahrplänen, Unzuverlässigkeit der Veranstalter und manches mehr. Dabei stehen nach wie vor landschaftlich einmalige Strecken zur Verfügung oder könnten mit bescheidenem Aufwand (George – Knysna!) reaktiviert werden. Auch Dampfloks sind vorhanden dank rühriger Eisenbahnfreunde. Die privat geführte Sandstone Railway wie auch die CRC machen es vor: Mit vergleichsweise wenig Geld könnte hier ein zweites Tourismus-Standbein für eine weltweite Kundschaft etabliert werden.

(Karl-W. Koch)

 

 

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